Caitlin und die Last des Schöpfers
Caitlin? Oh je. Das liegt mir noch schwer im Magen. Aber bitte: Ich weiß, das Gespräch muss sein. Ich will nicht. Jede Faser in meinem Hirn zerrt mich weg von diesem Balkon. Das ist wohl das Leid eines Schriftstellers.
Caitlins Schlafzimmer ist schön. Die große goldene Statue von Asperih hängt über dem Kopfteil ihres Bettes. Ein Geschenk von Vidals Nebenbuhlerin, Henriette.
Ich muss Vidal recht geben: Unter dieser schweren Büste zu liegen, kann einem schon den Schlaf rauben. Wenn die nicht richtig befestigt ist …
Die Sonne geht unter und ich muss mich beeilen, wenn ich den richtigen Moment nicht verpassen will. Ich könnte es auch lassen.
„Walter?“
Sie hat mich gesehen. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich gehe auf den Balkon.
Caitlin sitzt auf einem purpurnen Kissen im Schneidersitz. Ihr Oberkörper ist frei von Stoffen, sie lässt die untergehende Sonne auf ihre Haut scheinen. Ich gehe an ihr vorbei und stelle mich ans Geländer. Betrachte das Treiben vor den „Drei Kupferdrachen“. So viele lustige Wesen. Menschen, Drills und Sneefs. Und ich stehe hier mit schwerem Herzen.
„Walter? Schön, dass du da bist.“
„Schön? Nachdem ich dir so viel angetan habe?“
Eine Träne kullert über meine Wange.
„Geschichten müssen so sein. Das weißt du doch am besten.“
Die Sonne berührt den Horizont. Der heiligste Augenblick der Asperih-Anhängerinnen. Der Wohnsitz der drei Göttinnen tauscht sich mit der Welt aus. Und über dem Hauptplatz Kazamiras, direkt neben der schwebenden Magierinnen-Akademie, drehen sie die drei riesigen goldenen Statuen der Göttinnen und die Asperih-Figur scheint mir eine auffordernde Geste zu winken.
Caitlin atmet tief aus.
„Es tut mir leid, Cait. Deine Mutter. Dritushas Gewaltexzess. Thorbens Entführung. Nickis Tod.“
Caitlin steht plötzlich hinter mir. Ich spüre die Wärme ihres Körpers. Sie nimmt mich an der Schulter und dreht mich herum. Ich versuche, ihr in die Augen zu blicken – und nicht tiefer.
Sie grinst. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie unangenehm dir unsere Freiheit ist. Obwohl du sie uns geschenkt hast.“
„Das sollte Vidal sehen, nicht ich.“
„Jede Sneef sieht meinen Busen mit ihren Fühlern durch jeden Stoff. Das macht es ja so frei.“
„Ich bin keine Sneef.“
„Du bist mehr, Walter. Du gibst uns Stimmen, Liebe und ja, auch Leid. Aber du gibst uns auch Happy Ends.“
Ich grinse schief über diese Doppeldeutigkeit. „Wie eine Thai-Massage?“
„Ja, Walter. Denn auch das ist ein Höhepunkt, der genossen wird.“
„Caitlin. Womit habe ich dich nur verdient?“
„Du brauchtest einen Vidal-Anker.“
„Du bist ein gewaltiger Anker.“
„Und dafür liebst du mich.“
„Dafür liebe ich euch alle.“
Vidal steht im Türrahmen. Verschränkt die Arme und grinst. Sie weiß genau, wie gut es mir gerade geht.
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